Montag, 24. September 2007
Pfeifenheini
Gedankenverloren pfiff ich waehrend der Vorlesung ein kleines Liedchen. Diese Unterbrechung nahm der Prof noch hin. Nach der zweiten Pfeiffunterbrechung (nicht von mir verursacht) verlaesst er kommentarlos den Raum und beendet die Vorlesung. Ich folge ihm, moechte mich entschuldigen. Darauf erwidert er, dass die Beziehung zwischen ihm und den Studenten mit dem Verlassen des Klassenzimmers endet. Auf meine Entschuldigung reagiert er kaum. Auch die anderen Studenten koennen ihn nicht beruhigen. Der Prof zieht sich beleidigt wegen zuegelloser Disziplinlosigkeit zuerueck.
Ein paar Stunden spaeter sitze ich im Eingangsbereich der Uni. Ich strecke genuesslich meine Beine aus. Der Direktor erscheint, schaut in meine Richtung, sagt etwas unverstaendliches und verschwindet in seinem Buero. Ein Kommilitone sagt mir daraufhin, dass der Direktor mein Art des Sitzens bemaengelte. Beine ausstrecken sei "keine Art zu sitzen."
Habe mich nun entschieden, ein braver, angepasster Student zu werden. Ganz wie in Deutschland eben auch.
Crossing streets
So sieht der Strassenverkehr in Indien, genauer in Bangalore am Citymarkt aus. Das Video ist aus meiner Sicht aufgenommen. Aber das erleichterte Gesicht Birtes am Schluss des Videos spricht Baende.
Sonntag, 23. September 2007
Schlafender Riese!
Eine schrecklich nette Familie...
Der Reihe nach…
Da Birte am Donnerstag wieder zurück geflogen ist, habe ich sie nach Mumbai begleitet. Die zweite Nacht in Mumbai wollte ich in Bandra verbringen. Ich mache mich also auf die Suche nach einem Hotel. Erfolglos. Ich frage einen Passanten. Der kann mir auch nicht weiter helfen. Wir kommen ins Gespräch. Zwischendurch fragt er immer wieder andere Passanten nach einem Hotel. Irgendwann meint einer dieser Fußgänger: „Wie lange bleibst du in Mumbai?" Darauf sage ich ihm, dass ich eine Nacht bleiben will. Er überlegt kurz und schlägt dann vor, dass ich bei ihm übernachten kann. Hubit (so heißt der nette Mann) und ich machen uns also auf den Weg zu seinem Haus. Das ist in der Bazar Road, einer belebten Marktstraße. Im Haus werde ich zu meiner Überraschung von mehreren Leuten begrüßt. Wer wer ist und wie viele Menschen hier tatsächlich wohnen, ist mir jetzt noch nicht klar. Hubit zeigt mir das Haus. Es hat drei Zimmer. Eine Art Vorzimmer, Ein Wohnzimmer mit drei Betten und eine Art Waschzimmer. Außerdem gibt es eine Küche und eine Art Bad. Stolz zeigt mir Hubit die „englische Toilette". Die ist ein Grund dafür, dass ich mich entscheide zu bleiben.
Mit dieser Entscheidung habe ich meine Selbstständigkeit an der Schwelle zum Haus der Rodrigues abgegeben. Pausenlos werde ich gefragt, ob ich was trinken, essen, oder mich schlafen legen will. Alles richtet sich nach mir. Ein wenig unangenehm ist das schon. Dennoch fühle ich mich sofort wohl. Nach einem kleinen Nickerchen zeigt mir der älteste Sohn Joel ein wenig das Stadtviertel.
Am Abend ist die Hilfsbereitschaft der Rodrigues’ auf dem Höhepunkt angekommen. Die Mutter von Joel setzt mir pausenlos leckere Speisen vor. Mal soll ich Kekse, mal selbstgemachtes Brot, ein anderes Mal Kabab essen. Und alles schmeckt hervorragend. Damit nicht genug. Abends um elf wird auch noch Essen für mich bestellt. Und das nur, weil ich angedeutet habe, kurz zum essen raus gehen zu wollen. Also sitze ich mit meinem Chicken Fried Rice im Wohnzimmer der Rodrigues und schaue mit ihnen das Cricketmatch zwischen Südafrika und Indien. Nach und nach trotten immer mehr Familienmitglieder ein und langsam wird mir klar, wer alles heute Nacht in dem Haus schlafen wird.
Die Familie, das sind: das, etwas taube und schlecht sehende Herz der Familie: Großmutter Mary. Ihre Tochter Irene und ihr Mann, der Künstler des Hauses, Walter. Deren Kinder: Joel (23 Jahre), Rochel (16 Jahre) und Michal (13 Jahre). Der Onkel der Kinder: Hubit und seine Frau Janita. Insgesamt acht Familienmitglieder. Außerdem hat noch Joels Freundin bei den Rodrigues übernachtet. Das sind mit mir also zehn Personen, die in drei Zimmern übernachten. Ziemlich enge Geschichte also. Trotzdem habe ich ein eigenes Zimmer bekommen. Die Rodrigues’ haben sich meinetwegen im Rest des Hauses verteilt.
Die Familie von links nach rechts: Rochel, Mary, Freundin von Joel, Joel, Michal, Walter, Irene und Hubit. Auf dem Bild fehlt Hubits Frau Janita
Am nächsten Tag haben sich die Rodrigues auch noch mit Geschenken von mir verabschiedet. Ich habe selten soviel Gastfreundschaft und Selbstlosigkeit erlebt. Nicht viel haben, aber viel geben. Genauso haben die Rodrigues gehandelt. Dieser Tag wird mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben
Die Rodrigueschen Geschenke! Hubit drueckte mir zum Abschied noch eine Muetze (sehr schickes Modell uebrigens) und einen Kasten, auf den man ein Festnetztelefon stellen kann in die Hand. Das koenne ich sicher brauchen meinte er. Walter, der in seiner Freizeit kuenstlerisch arbeitet, schenkte mir eine selbstgemachte Karte mit Sinnspruechen auf der Rueckseite.
Freitag, 21. September 2007
Verlockungen
Mit diesen Sprüchen versuchen indische Geschäftsmänner ihre Waren schmackhaft zu machen:
Spitznamen
Ich heiße Christian. Was ich nicht wusste, ist, dass ich auch noch so heiße:
Samstag, 15. September 2007
Der Hoehepunkt
Obiges Bild mit Tausend multiplizieren und ihr kommt nicht in etwa die Naehe der Schoenheit der Backwaters. Wenn jemand dieses umgewandelte Filmzitat erkannt hat, der moege dieses bitte kommentieren.
On the road again...
Sorry Chennai, aber ich finde dich nicht so wirklich prickelnd. Vielleicht lag es an meiner Laune (lange und chaotische Anreise). Vielleicht bist Du ja eine Prinzessin, die wach gekuesst werden muss. Aber den Job uebernehme ich nicht. Deine Uni (im Hintergrund) direkt am Strand (im Vordergrund) ist aber dennoch ne feine Sache.
Der beruehmte Strandtempel in Mamallapuram. Gehoert zum Unesco-Weltkulturerbe und hat den Tsunami beinahe unbeschadet ueberstanden. Der Tempel kann sehr gut vom Strand betrachtet werden. 10 Euro Eintritt dafuer (und fuer die 5 Rathas) lohnen sich nicht wirklich. Aber ein Ausflug in das suesse Kuenstleroertchen allemal.
Pondicherry! Hier ruht das Leben. Sehr relaxt geht es in der frankophilen Stadt zu. Die Stadt ist uebersichtlich, hat aber viele schoene Ecken zu bieten und viele kleine pittoreske Straesschen.
Madurai, eine durchschnittliche Stadt mit einem ueberdurchschnittlichen Tempel. Atemberaubend gross und sehr schoen. Wer einen tollen Blick ueber den Tempelkomplex haben moechte, der steige auf das Dach des Hotel Sree Devi.
Kanyakumari ist der suedlichste Punkt Indiens und dafuer beruehmt, dass man sowohl Sonnenaufgang, als auch Sonnenuntergang (siehe Bild) betrachten kann. Ausserdem wurde hier Ghandis Asche verstreut. Und ganz nebenbei treffen hier auch noch die Freunde Indischer Ozean, Arabisches Meer und der Golf von Bengalen zusammen um ein Schwaetzchen zu halten.Donnerstag, 13. September 2007
Es war einmal...
Dienstag, 4. September 2007
On the road again
Meine Tour durch den Süden. In den nächsten Tagen mehr.
Der Maharaja's Palace in Mysore. Der wird jeden Sonntag von 19 - 20 Uhr beleuchtet. Das sieht dann wie oben aus. Mysore ist ein kleines, charmantes Staedtchen und wirklich einen Besuch wert.
Die Mahatma Ghandi Road in Bangalore. Viele Weisse, viele Shops. Glaenzt durch viele Einkaufsmoeglichkeiten. Und durch viele amerikanische und sonstige Ketten. Und ist relativ teuer. Und ist vielleicht einen Ausflug wert. Aber eben nur vielleicht.
30 Tage Indien – eine Bilanz
Hier also meine Bilanz im Telegrammstil:
Folgendes habe ich gelernt in den letzten 30 Tagen:
Mit indischem Humor umzugehen (ich finde ihn schlecht. Dazu ein kleines Beispiel: Der Prof fragt in einer Vorlesung: Wollt ihr freiwillig eine Aufgabe machen, oder soll ich was erzählen? Begeistert johlen die Studenten: Sir, wir wollen was freiwillig machen. Ziemlich komisch), ich habe gelernt, mich mit kaltem Wasser zu duschen und zu rasieren. Zumindest letzteres ist ziemlich unangenehm. Außerdem esse ich inzwischen scharfes Essen (Martin, wir treffen uns bald im Chart One und ich mache dich fertig). Das wichtigste aber, was ich hier gelernt habe: Die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. In Indien kommt eh alles anders, als man denkt. Ein Freund von mir würde den Satz dann noch so fortsetzen: Und wenn nicht, dann nicht.
Nach 30 Tagen nerven mich folgende Dinge:
Der Schimmel. Irgendwann schimmelt hier alles. Klamotten werden nicht richtig trocken und fangen dann an zu schimmeln. Das nervt mich. Aber – siehe oben – ich habe ja gelernt, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. Für Anti-Schimmel-Tipps bin ich trotzdem dankbar.
Der erste Monat ist geschafft. Und ich muss sagen. Indien ist ein faszinierendes, aber widersprüchliches Land. Tolle Landschaften werden gesäumt von Müllbergen. Die Inder sind immer hilfsbereit, aber leider auch wenn sie überhaupt nicht helfen können. Die nächsten Monate können kommen.